Aber das Schlimmste war nicht die Abhängigkeit selbst.
Das Schlimmste war, dass meine Tochter angefangen hat, mein Spray zu benutzen — und ich nicht weiß, wie lange schon.
Dass ich abends heimlich im Bad sprühe, damit die Kinder es nicht sehen.
Dass ich seit Jahren nichts mehr richtig rieche — nicht mal den Kuchen, den Lena mir zum Geburtstag gebacken hat.
Dass ich Angst habe, dass Lena den gleichen Kreislauf durchmacht wie ich.
Dass ich mich als Mutter schäme, weil ich ihr das vorgelebt habe.
Der Abend, der alles verändert hat, war ein Donnerstag.
Ich wollte Lenas Bad putzen. Sie war bei einer Freundin. Und als ich ihren Kulturbeutel zur Seite schob, fiel eine Flasche Otriven raus. Halb leer.
Ich habe sie hochgehoben und eine Sekunde lang gedacht: Das ist meine. Aber es war nicht meine. Meine stand hinter dem Spiegel. In meinem Bad.
Lena hatte sich eine eigene Flasche besorgt. Sie war 14. Und sie hatte seit Wochen „eine Erkältung, die nicht weggeht.“
Ich habe mich auf den Badewannenrand gesetzt und geheult. Nicht weil sie krank war. Sondern weil ich in diesem Moment verstanden habe: Sie hat es von mir.